Refluxerkrankung
Minimalinvasive Operationen sind eine Alternative zur lebenslangen medikamentösen Behandlung und manchmal die einzige Möglichkeit der Therapie.
Symptome der Refluxkrankheit sind vielfältig
Ein gelegentlicher und geringer Reflux von Magen – oder Darmflüssigkeit ist normal und nicht behandlungsbedürftig. Sodbrennen kennt jeder und Sodbrennen kann gelegentlich, vor allem nach reichlichem Essen und Trinken, vorkommen. Mit etwas Wasser oder in schweren Fällen medikamentös kann den Schmerz in der Speiseröhre meist wirksam begegnet werden.
Anders ist es bei einer Refluxkrankheit. Hier treten die Symptome häufiger oder dauernd auf und die Symptome beschränken sich nicht nur auf das Sodbrennen (Schmerzen im Brustkorb). Ständiges saures Aufstoßen von Magensaft kann zu chronischem Husten und Asthma führen und auch ein „Verschlucken“an Magensaft, also Eindringen in die Luftröhre und die Lunge verursachen. Auch chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen können sich durch die ständige Reizung des Magensaftes im Nasen-Rachen-Raum entwickeln und bei sehr lang andauerndem Reflux kann selten auch ein Speiseröhrenkrebs entstehen.
Die Anpassung von Lebensgewohnheiten und die Gabe von Protonenpumpenhemmern sind die Primärtherapie
Wenn die Diagnose eine Refluxkrankheit gestellt ist, muss das geeignete Behandlungsverfahren ausgewählt werden. Da die Flüssigkeit aus dem Magen (saurer Reflux) oder aus dem Dünndarm (galliger Reflux) in die Speiseröhre und bis in den Mund laufen kann ist es zuerst wichtig, die Schwerkraft zu wirken zu lassen, dass ein aufsteigen der Flüssigkeit möglichst vermieden wird. Dabei hilft eine Aufrechterhaltung, die durch Liegen mit erhöhtem Oberkörper fortgesetzt werden sollte. Auch eine Gewichtsabnahme ist sinnvoll, da die Körpersäfte nicht mehr so häufig durch einen erhöhten Druck im Bauchraum in die Speiseröhre gedrückt werden. Auf Rauchen sollte verzichtet werden. Scharfe Speisen regen die Magensäure Bildung an, also ist ein Verzicht auf scharfe Gewürze ratsam.
Begleitet werden diese Maßnahmen durch die Einnahme von Säure hemmenden Medikamenten. Heute werden in der Regel Protonenpumpen Hemmer gegeben. Diese senken die Magensäure Produktion auf deutlich unter 10% der normalen Menge, sind also ausgesprochen effektiv bei saurem Reflux. Medikamente werden in der Regel langfristig eingenommen, um das erneute Auftreten der Beschwerden zu verhindern. Bei einem Reflux, der mit großen Flüssigkeitsmengen oder dem Aufsteigen von Gallensaft vergesellschaftet ist, hat die alleinige medikamentöse Therapie häufig jedoch keinen ausreichenden Erfolg. In diesen Fällen ist die Wiederherstellung des Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen eine Alternative, um den Reflux dauerhaft zu unterbinden.
Medikamentöse Nebenwirkungen können durch das Ausschalten der Säurebarriere des Magens verursacht werden. Auch eine Osteoporose und Elektrolytstörungen gehören zu den langfristigen potenziellen Nebenwirkungen einer dauerhaften Therapie mit Protonenpumpenhemmern.
Die Alternative: Eine Wiederherstellung des Ventilmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen
Falls die Gabe von Medikamenten keine Besserung herbeiführt, eine lebenslange Einnahme nicht gewünscht, die Einnahme wegen galligem Reflux oder größerer Flüssigkeitsmengen nicht sinnvoll ist, kann die Wiederherstellung des „Ventils“ zwischen Speiseröhre und Magen erfolgen. Die Speiseröhre mündet normalerweise in einem spitzen Winkel in den Magen. Das hat zur Folge, dass bei vollem Magen Druck auf die Speiseröhre ausgeübt wird, und zwar von der Seite. Dadurch wird die Speiseröhre verschlossen und ein Rückfluss aus dem Magen in Richtung Mund wird selbst dann verhindert, wenn man auf dem Kopf steht.
Wenn einer Refluxkrankheit vorliegt, ist diese spitzwinklige Einmündung in der Regel aufgehoben, schlimmer noch, es liegt oft ein gleichzeitiger Zwerchfellbruch vor, der die Refluxerkrankung noch weiter unterstützt. Diese Veränderungen können bis zu einer Verlagerung eines großen Teils des Magens oder sogar des ganzen Magens in den Brustkorb reichen. Diese Zwerchfellbrüche treten ohne äußere Ursache auf und sind mit zunehmendem Alter häufiger. Gelegentlich findet sich ein solcher Bruch auch zufällig bei einer Magenspiegelung oder einer Bauchspiegelung aus anderer Ursache. Diese Zwerchfellbrüche ohne Beschwerden haben keinen Krankheitswert.
Spitze Winkel zwischen Magen und Speiseröhre kann operativ wiederhergestellt werden. Dazu bildet man seit vielen Jahren eine Schlinge aus Magen Gewebe, die um die Speiseröhre gelegt wird (Fundoplication/ Bildung einer Magenmanschette). mit der Schlinge wird gleichzeitig der Winkel hergestellt und eine Einengung der Speiseröhre geschaffen, sodass der Reflux in den meisten Fällen zuverlässig vermieden werden kann. Zusätzlich wird der fast immer bestehende Zwerchfellbruch durch Nähte oder eine Kunststoffnetz Einlage verschlossen. Leider können postoperativ auch Nebenwirkungen auftreten. z. B. kann aufgenommene Luft durch die gebildete Manschette nur eingeschränkt abgegeben werden (Aufstoßen eingeschränkt) und so kann ein unangenehmer Druck auf den Magen entstehen. auch das Erbrechen, manchmal notwendig, wird durch die Manschettenanlage in einigen Fällen erschwert oder verhindert, was das Druckgefühl verstärken kann.
Alternativ: Hemifundoplicatio
In Abhängigkeit vom individuellen Befund kann ein operatives Verfahren eingesetzt werden, bei dem die Schlinge die Speiseröhre nicht komplett umschließt (Hemifundoplicatio). Hierdurch können o. g. Nebenwirkungen häufig reduziert werden.
Bei Vorliegen eines großen und unter Spannung stehenden Zwerchfellbruchs wird eine Schlinge aus Magenwand von hinten teilweise um die Speiseröhre gelegt, nachdem der Zwerchfellbruch verschlossen wurde. So ist eine eventuell verbleibende Lücke im Zwerchfell oder eine unter Spannung stehende Naht gleichzeitig sehr gut durch den Magen abgedeckt. Im Ergebnis der Operation ist der oben beschriebene Spitze Winkel wiederhergestellt und die Speiseröhre im vorderen Bereich bleibt frei und kann sich bei Bedarf ausdehnen, sodass weniger Probleme aus einer Einengung der unteren Speiseröhre entstehen.
Beide Operationsverfahren werden minimalinvasiv durchgeführt. 4 – 5 kleine Schnitte sind nötig, um die Kamera und die Instrumente einzuführen und im Oberbauch die beschriebenen Operationsschritte fertigzustellen die Operation dauern etwa 90 min und werden in Vollnarkose durchgeführt.
Nach der Operation dauert der Aufenthalt auf der Station meist 3 – 5 Tage. Die Dauer ist davon abhängig, wie schnell eine normale Nahrungsaufnahme möglich ist. Am Operationstag ist Trinken und die Einnahme von Joghurt möglich, am ersten Tag nach der Operation beginnt der Kostaufbau.
Die Nachbehandlung ist nicht aufwendig
In den ersten 3 – 4 Wochen sind noch leichte Anpassungsstörungen des Verdauungstrakts des zu erwarten. Hinsichtlich der Kost sollten sehr feste Nahrungsbestandteile (rohe Gemüsestücke wie Karotten, Äpfel oder Kohlrabi oder auch festes Fleisch wie Rindersteak) vermieden werden, damit das Operationsgebiet abschwellen kann.
Die Symptome wie Sodbrennen oder Reflux bessern sich in der Regel deutlich, sodass die medikamentöse Therapie mit Protonenpumpenhemmern meist ausgeschlichen werden kann.
Komplikationen der Refluxerkrankung können vermieden werden
Die Komplikationen der Refluxerkrankung sind langfristig schwerwiegend. Die Entwicklung eines chronischen Asthmas durch das Einatmen der Magenflüssigkeit ist problematisch, da die Veränderungen im Gewebe der Lunge auch nach Beendigung des auslösenden Reizes nicht rückgängig zu machen sind und zusätzlich zur Behandlung der Refluxkrankheit eine andauernde medikamentöse Behandlung der Lunge notwendig ist.
Eine zweite schwere Komplikation ist die Entwicklung eines Speiseröhrenkrebses. Dieser entsteht aus der ständigen Entzündung bei Reflux. Durch die langandauernde Aktivierung des Gewebes kommt es nach Jahren der Entzündung in etwa einem Prozent der Erkrankten zu einer bösartigen Veränderung der unteren Speiseröhre , dem Speiseröhrenkrebs am Übergang zum Magen. Diese bösartige Erkrankung wird meist spät entdeckt, da im Frühstadium kaum Beschwerden auftreten. In späteren Stadien ist die Erkrankung aber sehr schwer heilbar. Die beste Vorsorge ist, eine solche Komplikation nicht erst entstehen zu lassen.
Die optimale Behandlung einer Refluxerkrankung ist notwendig, um die Erkrankung zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.